VdS-Schadenverhuetung Naturgefahren

Für Gewerbe und Privatanwender

VdS Hochwasserschutz

Starkregen, Sturzfluten, Überschwemmungen. Extreme Wetterphänomene führen zunehmend zu hohen oder sogar zu existenziellen Schäden an Gebäuden und Infrastruktur.

Die Schadenverhütungskonzepte von VdS unterstützen Ihr Risikomanagement bei Sicherheitsvorkehrungen vor Hochwasser, Sturm und Blitz. Die Konzepte zur Erkennung und Bewertung neuer und bestehender Risiken werden in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten aus der betroffenen Wirtschaft, mit Behörden und Sachverständigen erarbeitet.

Versiegelte Flächen und ausgetrocknete Böden können kaum Wasser aufnehmen. Bei Starkregen werden die auftretenden Wassermassen über diese Oberflächen unmittelbar abfließen und können gravierende Überflutungen nach sich ziehen. Bei geneigten Flächen wird die Gefährdung zusätzlich verschärft.

Hochwasserschutzmaßnahmen erhöhen Ihre Sicherheit. Welches Hochwasserschutzsystem ist für welches Risiko angemessen?

In enger Abstimmung mit führenden Hochwasserschutz-Experten aus Deutschland und den europäischen Nachbarländern hat VdS Schadenverhütung ein Prüf- und Anerkennungsregelwerk zur Bewertung von Hochwasserschutzsystemen entwickelt. Damit ist es erstmals gelungen, für jeden individuellen Einsatzweck definierte Schutzmaßnahmen gegen Hochwasserschäden zu beschreiben. Auf die alleinige Empfehlungen Dritter oder auf werbliche Aussagen von Herstellern ist ein potentiell Betroffener somit nicht mehr angewiesen.

 

Die VdS-Richtlinien VdS 3855 beschreiben Anforderungen und praxisgerechte Prüfmethoden für Hochwasserschutzsysteme. Damit kann für praktisch alle Risiken entweder ein direkter oder ein indirekter Objektschutz - eingebettet in eine definierte Klassenabstufung - gewährleistet werden. 
Die Anforderungen betrachten den Schutzgrad von Systemen für sogenanntes statisches Hochwasser (stehendes Wasser drückt gegen das System) und optional für dynamische Situationen (z. B. Wasserdruck aufgrund von Anströmung, Wellenbewegung oder durch Stöße von Treibgut).  

  • VdS 3855 – Hochwasserschutzsysteme

(zur Publikation)

Expertenwissen - Elemente für den Hochwasserschutz

Direkter Objektschutz ist unmittelbar mit dem Objekt verbunden, etwa in Form einer speziell ausgeführten Tür. Direkter Objektschutz kann ebenso gegeben sein, wenn etwa ein Schott bei drohender Gefährdung manuell eingesetzt oder automatisch aktiviert wird, um z. B. eine Garageneinfahrt zu schützen.

Indirekter Objektschutz ist dem Objekt vorgelagert, z. B. in Form eines Dammbalkensystems. Er schützt ein innerhalb der Maßnahmen liegendes Gelände (z. B. an Fluss- oder Bachläufen). Indirekte Schutz kann dauerhaft montiert sein oder erst bei drohender Gefahr errichtet werden.

Hochwasserschutzsysteme für den indirekten Objektschutz sind oft in Modulbauweise aufgebaut. So ist ein an eine akute Risikosituation angepasster schneller Aufbau und zugleich eine optimale Lagerung bei Nichtverwendung möglich. 

Ein vollständiger Rückhalt des Wassers kann bei Hochwasserschutzsystemen – technisch bedingt – nicht immer erreicht werden. Daher erfolgt die Klassifizierung von Hochwasserschutzsystemen anhand der Wasserbeständigkeit bzw. der Wasserdurchlässigkeit. Die konkreten Werte für die Wasserbeständigkeit unterscheiden sich für Produkte des direkten und indirekten Objektschutzes.

Produkte mit dem höchsten Schutz (höchste Wasserbeständigkeit/geringster Wasserdurchlass) werden der Klasse C zugeordnet. Mit Klasse B und A sinkt die Wasserbeständigkeit.

Wasserdurchlässigkeit je Stunde und laufendem Meter Breite des Systems

  • direkter Objektschutz
    • VdS-Klasse A: 0,1 <= 1 l/h/m
    • VdS-Klasse B: 0,01 < 0,1 l/h/m
    • VdS-Klasse C: 0 < 0,01 l/h/m

Die Messwerte beziehen sich unmittelbar auf das zu schützende Objekt.

  • indirekter Objektschutz
    • VdS-Klasse A: 40 <= 180 l/h/m
    • VdS-Klasse B: 6 < 40 l/h/m
    • VdS-Klasse C: 0 < 6 l/h/m

Die Messwerte beziehen sich auf das Vorfeld/Umfeld des zu schützeden Ogbjekts. 

Die Klassifizierung ermöglicht es dem Anwender den optimal notwendigen Schutz für sein Risiko auszuwählen.

Die Grundanforderung (Basisschutz) eines Hochwasserschutzsystems ist eine angemessen hohe Dichtigkeit gegen ruhenden Wasserdruck (hydrostatischer Druck). Diese Anforderung führt zur grundlegenden Klassifizierung des Hochwasserschutzsystems.  
Je nach Einsatzgebiet kann es notwendig sein, dass das Hochwasserschutzsystem über den hydrostatischen Widerstand hinaus auch dynamischen Ereignissen standhalten muss.

Auftretende dynamische Ereignisse können zu einer Erhöhung der Wasserdurchlässigkeit führen oder gar zu einem Kollaps des Hochwasserschutzsystems.

Je nach Schutzziel können folgende optionale Anforderungen ebenfalls notwendig sein:

  • Anströmbeständigkeit (dynamische Belastung, die lokal zusätzlich zur ruhenden Belastung auftritt) 
  • Überströmung (Stabilität des Systems, wenn es zu einer Überströmung kommt)
  • Hydrodynamische Belastung (schwellende Belastung) 
  • Anprallbeständigkeit (Schutz gegen Treibgut)

Ein Hochwasserschutzsystem kann bei Einhaltung dieser Anforderungen zusätzliche Widerstandsfähigkeiten erfüllen.

Folgendes Beispiel zeigt ein Hochwasserschutzsystem Klasse B (Basisschutz):

  • Hydrostatische Belastung: Klasse B
  • Anströmbeständigkeit: Klasse B
  • Überströmung: ---1)
  • Hydrodynamische Belastung: Klasse A
  • Anprallbeständigkeit: Klasse A

1) Leistungsmerkmal wurde nicht geprüft/bewertet (z .B. bei einem Fenster)

Die Klassifizierung der dynamischen Leistungsmerkmale wird im Zertifikat auf der letzten Seite ausgewiesen.  

Vorgaben, wie Hersteller für ein Hochwasserschutzsystem die Prüfung und Zertifizierung erlangen können, sind in einschlägigen VdS-Richtlinien beschrieben.  

Je nach Art des zu prüfenden Hochwasserschutzsystems sowie der zu zertifizierenden Leistungsmerkmale wird das mögliche Vorgehen besprochen.

Auskunft zu Prüfungen und zur Zertifizierung gibt Sascha Bues (sbues@vds.de; +49 221 7766 6426).

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