Alterungsprozesse in Sprinkleranlagen
Anlagenprüfung nach VdS CEA 4001 und Merkblatt VdS 2091-2
Nico Gregor, Produktgruppenleiter für Altanlagenprüfung in der Technischen Prüfstelle von VdS, zeigt in seinem Fachbeitrag entscheidende Faktoren für den langfristigen Erhalt einer Sprinkleranlage auf.
Text: Nico Gregor, VdS Schadenverhütung GmbH (S&S Report 01/26, Download)
Sprinkleranlagen sind über Jahrzehnte hinweg ein zentraler Bestandteil des anlagentechnischen Brandschutzes. Mit zunehmendem Alter der Anlagen steigen jedoch die Risiken durch materialbedingte Veränderungen, sodass regelmäßige Prüfungen von Bestandsanlagen unerlässlich sind.

Ablagerungen und Korrosion als Risikofaktoren
Sprinkleranlagen unterliegen im Laufe ihrer Betriebszeit natürlichen Alterungsprozessen. Eine der wesentlichen Ursachen hierfür ist die Korrosion innerhalb des Rohrnetzes, die sowohl die Funktionssicherheit als auch die hydraulische Leistungsfähigkeit der Anlage beeinträchtigen kann.
Durch Korrosionsvorgänge entstehen Korrosionsprodukte wie Rost, Ablagerungen oder Schlamm, die sich im Rohrnetz absetzen können. In der Folge kommt es zu Querschnittsverengungen oder zur Beeinträchtigung beweglicher Bauteile. Besonders kritisch ist dieser Zustand im Auslösefall, da Ablagerungen den Wasserfluss verzögern oder Sprinklerdüsen teilweise blockieren können.
Die Ursachen für Korrosion sind vielfältig. Zu den wesentlichen Einflussfaktoren zählen der Sauerstoffgehalt des Wassers, die vorherrschenden Temperaturen sowie die Wasserqualität des Löschwassers. Darüber hinaus können Umgebungseinflüsse, wie periodische Temperaturwechsel, Produktionsprozesse mit aggressiven Atmosphären oder dauerhaft feuchte Umgebungsbedingungen, die Korrosionsneigung erheblich erhöhen.
Für die Lebensdauer einer Sprinkleranlage sind daher sowohl eine fachgerechte Wartung als auch die Qualität der ursprünglichen Installation von entscheidender Bedeutung. Regelmäßiges, kontrolliertes Entleeren, möglichst geringe Wasserwechsel sowie das Vermeiden unnötiger Sauerstoffeinträge wirken korrosionsmindernd. Ebenso spielen die verwendete Rohrqualität und ein korrekt ausgeführtes Gefälle des Rohrnetzes eine wichtige Rolle, um dauerhafte Restwassereinschlüsse und damit korrosionsfördernde Bedingungen zu vermeiden.
Anforderungen und Durchführung einer Altanlagenprüfung
Um trotz dieser Alterungsprozesse die Funktionssicherheit langfristig sicherzustellen, sind Altanlagenprüfungen verbindlich vorgeschrieben. Bei Nassanlagen ist eine solche Prüfung nach 25 Jahren erforderlich, bei Trockenanlagen bereits nach 12,5 Jahren. Die in der Anlage installierten Sprinkler müssen hierbei einer labortechnischen Überprüfung unterzogen werden. Für herkömmliche Sprinkler beträgt das Prüfintervall ebenfalls 25 Jahre, während bei speziellen Bauformen verkürzte Intervalle gelten können.
Die entsprechenden Anforderungen sind in Kapitel 18.4.6 der VdS CEA 4001 verankert. Die detaillierte Durchführung der Altanlagenprü-fung wird im Merkblatt VdS 2091-2 "Erhaltung der Betriebsbereitschaft von Wasserlöschanlagen, Teil 2: Altanlagenprüfung" beschrieben.
Das Merkblatt wurde im Oktober 2025 veröffentlicht und ist aus den Anhängen A und B des früheren Merkblatts VdS 2091 in ein eigenständiges Merkblatt überführt worden. Wesentliche Anpassungen betreffen insbesondere den Ablauf der labortechnischen Überprüfung von Sprinklern. Zudem wurden erstmals spezifische Prüfabläufe für Sonderfälle wie Löschdüsen, Niederdruck-Wassernebelsprinkler und ESFR-Sprinkler aufgenommen.
Im Rahmen einer Altanlagenprüfung sind sowohl das Rohrnetz als auch die Sprinkler systematisch zu untersuchen. Die Untersuchung des Rohrnetzes erfolgt unter anderem durch eine innere Sichtprüfung mittels Endoskopie sowie durch Ultraschallmessungen zur Bestimmung der verbleibenden Wandstärken. Auf Grundlage dieser Ergebnisse wird der technische Zustand der Anlage bewertet. Festgestellte Mängel können beispielsweise Querschnittsverengungen oder verminderte Wandstärken sein.
Abhängig vom Prüfergebnis können Maßnahmen wie Spülvorgänge, Folgeprüfungen in verkürzten Intervallen, Wirkflächentests oder der Austausch einzelner Rohrnetzabschnitte bis hin zum vollständigen Austausch des Rohrnetzes erforderlich werden. Unabhängig vom Ergebnis ist das Rohrnetz nach Abschluss der Altanlagenprüfung einer Druckprüfung über mindestens zwei Stunden zu unterziehen. Der Prüfdruck beträgt dabei mindestens 10 bar beziehungsweise 1 bar über dem maximalen Anlagendruck. Falls erforderlich, ist das Rohrnetz zu spülen.

Im Zuge der Prüfung oder im Nachgang werden zudem Sprinkler entnommen und einer labortechnischen Überprüfung unterzogen.
Je nach Gesamtanzahl der installierten Sprinkler ist hierfür pro Sprinklertyp eine Prüfcharge von mindestens 20 Sprinklern oder mehr erforderlich. Für hängende Trockensprinkler sind beispielsweise Prüfchargen von fünf Sprinklern zulässig.
Das Ergebnis dieser Prüfung entscheidet darüber, ob die Sprinkler weiterhin eingesetzt werden können oder ein Austausch erforderlich ist.
Erkenntnisse und Erfahrungen
Die Notwendigkeit der Altanlagenprüfungen lässt sich auch statistisch belegen. Die Technische Prüfstelle von VdS hat im Zeitraum von 1998 bis 2022 mehr als 23.000 Rohrnetze untersucht. Dabei wiesen bei Nassanlagen nach 25 Jahren rund 30 % der Anlagen mittlere bis erhebliche Mängel auf. Bei Trockenanlagen lag dieser Anteil bereits nach 12,5 Jahren bei über 55 %. Mit zunehmender Betriebszeit verschiebt sich die Verteilung weiter in Richtung erheblicher Mängel.
Auch die Ergebnisse der durchgeführten labortechnischen Überprüfungen bestätigen diesen Trend. Seitens des Wasserlabors von VdS wurden im Zeitraum von 2018 bis einschließlich 2025 rund 8.650 Sprinklerchargen geprüft. Etwa 41,4 % dieser Chargen bestanden die Laborprüfung dabei nach 25 Jahren nicht.
Die vorliegenden Daten verdeutlichen die Relevanz und Notwendigkeit von Altanlagenprüfungen sowie der labortechnischen Untersuchung von Sprinklern. Ziel ist letztlich der langfristige Erhalt einer funktionsfähigen Sprinkleranlage, die auch nach langer Betriebszeit ihre Leistungsanforderungen zuverlässig erfüllt und im Brandfall wirksam löscht.

