Zukunftssicherheit im Fokus
Lufthansa Cargo Center profitiert von innovativen VdS-Brandschutzprüfungen
Jochen Krumb, Niederlassungsleiter der Technischen Prüfstelle Darmstadt bei VdS, gibt in seinem Fachartikel Einblicke in kombinierte Brandschutzprüfungen nach VdS-Richtlinien und internationalen Standards.
Text: Jochen Krumb, VdS Schadenverhütung GmbH (S&S Report 04/25, Download)
Fotos: Lufthansa Cargo
Das Lufthansa Cargo Center (LCC) am Flughafen Frankfurt/Main ist seit 1982 im Betrieb. Seit mehr als 40 Jahren herrscht hier Aktivität rund um die Uhr. Das geht an die Substanz – eine Erneuerung des betriebskritischen Frachtzentrums ist überfällig. Den Neubau begleitet die Niederlassung Darmstadt der Technischen Prüfstelle (TP) von VdS. Sie setzt mit kombinierten Prüfungen nach VdS-Richtlinien und internationalen Standards komplexe Brandschutzanforderungen bei der umfassenden Weiterentwicklung des zentralen Frachtdrehkreuzes am Flughafen Frankfurt um. Das Projekt wird voraussichtlich bis 2030 abgeschlossen sein.

Im Hinblick auf den Brandschutz ergeben sich aus der Modernisierung eines der größten Luftfrachtdrehkreuze in Europa gleich mehrere anspruchsvolle Herausforderungen: Durch den jahrzehntelangen Betrieb birgt die altgediente Brandschutz- und Gebäudetechnik sowohl Ausfallrisiken als auch Betreiberrisiken.
Um Sicherheit und Zuverlässigkeit weiterhin kontinuierlich zu gewährleisten, sind daher nicht nur umfassende Erneuerungen aller zentralen Funktionsbereiche, sondern auch betriebsnotwendige Ertüchtigungen bei der Weiterentwicklung zum modernsten europäischen Luftfracht-Hub erforderlich.
Spannende Aufgabe: Umbau im laufenden Betrieb
Besonders anspruchsvoll wird das Vorhaben für Planer und Ausführende durch die zentrale Rolle des LCC in der Betriebsstruktur von Lufthansa Cargo: Da etwa 80 Prozentes gesamten Frachtaufkommens der Lufthansa Cargo GmbH dieses betriebskritische Drehkreuz durchlaufen, müssen die Arbeitsabläufe beim Umbau an 365 Tagen rund um die Uhr vollständig aufrecht erhalten bleiben. Daraus folgt, dass der Rückbau des alten Frachtzentrums und der Aufbau des neuen Cargo Centers parallel in drei Bauabschnitten erfolgen muss, bevor der Betrieb nach dem geplanten Abschluss im Jahr 2030 vollständig verlagert werden kann.
Neu entstehen sollen am Standort unter anderem zwei zentrale Strukturen: Zum einen ein vollautomatisches Hochregallager für Großla-dungspaletten (GLP), das auf 42 x 35 x 95 m (H x B x T) Grundfläche und 14 Ebenen 3.000 Regalfächer zur Verfügung stellt. Zum anderen wird ein vollautomatisches Regallager für 1.200 Regalfächer im Europalettenformat errichtet. Das Regallager wird Temperaturbereiche mit 20 und 5 °C umfassen, also auch zu kühlende Fracht aufnehmen.
Um für künftige Herausforderungen gerüstet zu sein, sind beide Lager mit modularen Optionen um 50 % ausbaufähig.
Brandschutz: Engmaschige Begleitung
Die Technische Prüfstelle von VdS hat die Brandschutzplanung für das Infrastrukturprojekt mit einem Team aus erfahrenen Experten von Beginn an eng begleitet. Zentraler Bestandteil dabei war neben den besonderen Anforderungen an den Brandschutz durch die parallelen Baumaßnahmen vor allem das spezielle Sprinkleranlagenkonzept für den Neubau eines vollautomatischen Hochregallagers mit Stellplätzen für 3.000 Großladungspaletten, welche auch große Mengen brennbarer Flüssigkeiten beinhalten können – allerdings nicht in Großgebinden (IBC), sondern in Metallbehältern bis jeweils maximal 220 l oder Kunststoff- bzw. Glasbehältern mit jeweils maximal 4 l In-halt. In jedem Fall wird die Brandlast in den Lagern erheblich sein.
Nach seiner Fertigstellung wird dieser Neubau mit 42 Metern nach dem Tower das zweithöchste Gebäude am Flughafen in Frankfurt am Main sein.
Kombinierte Prüfung sichert Anforderungen an einen risikoadäquaten Brandschutz
Die Prüfung der Löschanlage für das neue Hochregallager ist übergreifend nach den Regelwerken VdS CEA 4001 und den FM-Datenblättern – gemäß VdS CEA 4001 – Anlage T – erfolgt, da kein Regelwerk rein wasserbasierte Löschkonzepte in dieser Größenordnung allein abdeckt. Dabei wird der Decken- und Regalschutz in einem Bereich jeweils nach demselben Regelwerk betrachtet. Die bauliche Trennung zwischen nach VdS CEA 4001 und nach FM gesprinklerten Bereichen bildet die Komplextrennwand. Die technische Trennung zwischen den beiden Regelwerken erfolgt an den Alarmventilstationen.
Erst durch diese kombinierte Prüfung und die spätere Abnahme der Löschanlage durch die anerkannten Sachverständigen von VdS konnten die hohen baurechtlichen und versicherungstechnischen Anforderungen an einen risikoadäquaten Brandschutz erfüllt werden. Für eine langfristige Betriebssicherheit bilden sie ebenfalls die Grundlage.

Darüber hinaus trägt VdS mit kontinuierlichen Prüfungen wesentlich dazu bei, baurechtliche Risiken auch im fortlaufenden Prozess zu minimieren.
So werden die Voraussetzungen für Termintreue, Planungssicherheit und höchste Brandschutzstandards geschaffen – ein entscheidender Mehrwert für die Lufthansa Cargo GmbH bei ihrer Zukunftsinvestition in das zentrale Logistikdrehkreuz.

