VdS-Schadenverhuetung Technische Pruefstelle

VdS-Richtlinien für individuelle Schutzkonzepte

Nicht alles ist Standard – aber alles braucht Sicherheit

Im Fachartikel für den S&S Report gibt Bettina Bormann, VdS-Brandschutzlabore, Einblicke in besondere Anwendungsfälle in der modernen Brandschutzpraxis.

 

Text: Bettina Bormann, VdS Schadenverhütung GmbH

In der modernen Brandschutzpraxis gibt es immer wieder besondere Anwendungsfälle, die neue Herausforderungen und Risiken mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise neuartige Lager- und Fertigungstechnologien, automatisierte Hochregallager oder Lithium-Ionen-Energiespeicher. Es werden neue Materialien und Bauweisen eingesetzt oder automatisierte Systeme, die neue Abhängigkeiten schaffen. Da sich die Brandverläufe und Gefährdungen von klassischen Szenarien unterscheiden, reagieren bzw. wirken die bekannten Lösch- und Detektionskonzepte u.U. nicht zuverlässig und effektiv genug.

Solche Sonderanwendungsfälle werden durch die bestehenden Richtlinien und Normen oft nicht ausreichend abgedeckt und die klassischen Nachweise im Rahmen der Produktanerkennungen reichen nicht aus, um sicherzustellen, dass das Schutzziel zuverlässig erreicht werden kann.

Doch gerade in diesen Anwendungsfällen ist ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten, um Menschen und Sachgüter zu schützen. Ein einzelner Brand und in der Folge ein Betriebsausfall können ganze Produktionsketten oder kritische Infrastrukturen gefährden und einen hohen finanziellen Schaden verursachen.

In manchen Fällen besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Sekundärbrände, toxische Rauchgase oder technische Folgeschäden. Daher muss insbesondere in diesen Fällen gewährleistet und nachgewiesen sein, dass das Schutzziel dauerhaft erreicht wird.

Um dies zu erreichen, wurden die Verfahren zur Anerkennung neuer Schutzkonzepte etabliert. Die Richtlinien VdS 3115 regeln bereits seit 2009 das Vorgehen bei neuen Schutzkonzepten für Löschanlagen. Dieses Regelwerk wurde nun überarbeitet. Ergänzend dazu beschreiben seit diesem Jahr die Richtlinien VdS 6020 ein Verfahren für neue Schutzkonzepte im Bereich der Branddetektion sowie die mögliche Kombination der beiden Regelwerke.

Mithilfe dieser Richtlinien ist es möglich, innovative Brandschutzlösungen auf einer nachvollziehbaren, dokumentierten und von einer unabhängigen Prüfstelle bewerteten Grundlage einzusetzen. Somit kann auch außerhalb der bestehenden Normen und Produktstandards ein gleichwertiger Nachweis der Zuverlässigkeit und Wirksamkeit erbracht werden.

 

Wann werden die Richtlinien VdS 3115 und VdS 6020 angewendet?

Auf Basis jahrelanger Erfahrungen mit der Prüfung der Wirksamkeit und Betriebssicherheit installierter Brandschutzanlagen bei Erst- und Wiederholungsprüfungen hat sich das integrale VdS-System für Zuverlässigkeit und Wirksamkeit entwickelt und für viele Anlagentechniken (z.B. Sprinkleranlagen, Gaslöschanlagen, Brandmeldeanlagen) etabliert.

Insbesondere bei neuen Schutzkonzepten oder Anlagentechniken sind jedoch nicht immer alle Bausteine des integralen Systems verfügbar. In diesen Fällen müssen die fehlenden Bausteine des VdS-Systems durch Anerkennungen für das neue Schutzkonzept oder die neue Anlagentechnik ersetzt werden. In den Verfahren für diese Anerkennungen kann dann die Wirksamkeit und Betriebssicherheit nachgewiesen werden.

Inhalte und Neuerungen

Beide Richtlinien legen den Ablauf des Verfahrens fest – von der Beauftragung und Vorprüfung über die Prüfung des Schutzkonzepts inklusive Wirksamkeitsnachweisen und Bauteilprüfungen bis hin zur Zertifizierung.

Die VdS 3115 unterscheidet dabei weiterhin zwischen Schutzkonzepten ohne Produkteinfluss und Schutzkonzepten mit Produkteinfluss im Rahmen von Sprinklern oder Düsen. Letztere umfassen auch Bauteilprüfungen.

Die VdS 6020 ermöglicht nun auch die Bewertung von Detektionskonzepten, die nur mit Abweichungen von den vorhandenen Regeln für Planung und Einbau umsetzbar sind. Dabei können auch die Leistungseigenschaften der verwendeten Produkte genutzt werden, die im Rahmen bestehender Anerkennungen nicht bewertet wurden. In diesem Fall kann der Nachweis dieser Leistungseigenschaften im Rahmen des Verfahrens nach VdS 6020 erbracht werden.

 

 

Die beiden Regelwerke können einzeln oder in Kombination angewendet werden. Ist die Ansteuerung im Gesamtkonzept beschrieben, wird die dafür notwendige Schnittstelle im Verfahren nach VdS 6020 beschrieben und bewertet.

Mit diesem modularen Verfahren ist es möglich, eine Zertifizierung eines Schutzkonzeptes nur für Löschanlagen oder für die Branddetektion zu erreichen, ebenso wie für ein ganzheitliches Schutzkonzept unter Berücksichtigung der Schnittstellen zwischen den beiden Gewerken, die an das individuelle Konzept und die spezifischen Anforderungen angepasst ist.

Fazit

Die Überarbeitung von VdS 3115 und die Veröffentlichung von VdS 6020 schaffen ein flexibles Instrument zur Bewertung neuer Schutzkonzepte im Brandschutz und bilden eine Brücke zwischen Innovation und Sicherheit. Sie bieten Planern, Errichtern, Betreibern und Herstellern einen klaren Rahmen, um neue Konzepte in den Brandschutz zu integrieren, ohne Kompromisse bei Qualität und Wirksamkeit einzugehen.
 

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