In VdS-Richtlinien schon seit Jahrzehnten enthalten

Alle Fenster müssen geschlossen sein, bevor eine Scharfschaltung stattfinden kann (Quelle: Fotolia)

Mit dem Betrieb von Einbruchmeldeanlagen (EMA) sind immer zwei grundlegende Ziele verbunden: Zum einen müssen Einbrüche schnell und zuverlässig erkannt werden und die daraus resultierende Alarmierung erfolgen, zum anderen müssen alle sonstigen nicht gefahrenrelevanten Zustände bzw. Einflüsse ohne Folgen bleiben, d. h. die Einbruchmeldeanlage muss zu jeder Zeit bestimmungsgemäß funktionieren, ohne dass das Risiko einer fehlerhaften Alarmierung steigt.

von Dipl.-Ing. Günter Grundmann, VdS

Letztere Eigenschaft wird auch als Fehl- bzw. Falschalarmsicherheit bezeichnet. Dabei wird mit vielfältigen Maßnahmen versucht, das Risiko eines unerwünschten Alarms zu minimieren. Beispielsweise müssen die entsprechenden Melder ein hohes Maß an Immunität gegen eine Vielfalt von Umwelteinflüssen zeigen und dies in aufwendigen Prüfungen nachweisen, wenn sie die begehrte VdS-Anerkennung erhalten sollen.

So müssen beispielsweise alle Anlagenteile von Einbruchmeldeanlagen auch bei erhöhter Störstrahlung
(mit bis zu 30 V/m in den Frequenzbändern für Mobiltelefone), die im Fall eines in der Nähe befindlichen
Mobiltelefons auftreten kann, ohne Zustandsänderung weiter zuverlässig ihre Dienste verrichten. Gleiches gilt für mechanische Einflüsse (Stoß und Vibration) oder klimatische Einflüsse (hohe/niedrige Temperaturen
und hohe/niedrige Luftfeuchtigkeit).

Doch alle technischen Maßnahmen, die auf eine „Härtung“ der Anlagenteile gegen Umwelteinflüsse abzielen, sind nur dann zielführend, wenn diese nicht durch falsche Bedienung oder Handhabung konterkariert werden. Grundsätzliche Fehler bei der Installation und Konfiguration sind jedoch weitestgehend ausgeschlossen, wenn die Produkte nach europäischer Norm oder VdSRichtlinien geprüft sind, denn dann verfügen sie immer über eine ausführliche Anleitung.

Der weitaus größte Teil der unerwünschten Alarme geht auf ein Fehlverhalten während des Betretens
und Verlassens des überwachten Bereichs zurück. Dass dies bei den zuständigen Stellen zu erheblichen
Problemen führen kann und dass dadurch der Alarmierung bei echten Gefahren möglicherweise
nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit zuteilwird, ist leider die Konsequenz.

Festgelegte Abläufe helfen, Fehlbedienungen der EMA zu vermeiden

Aber ein Großteil der Fehlbedienungen beim Verlassen und Betreten des überwachten Bereichs lässt sich
relativ leicht vermeiden. Hierzu können festgelegte Abläufe durch die logische Verknüpfung von Anlagenzuständen sozusagen erzwungen werden.

Aus diesem Grund spricht man in diesem Kontext von der sogenannten „Zwangsläufigkeit“. Dieser Begriff
ist als festgelegte Umschreibung der entsprechenden Maßnahmen etwa – zumindest in Deutschland – seit den 1970er-Jahren in der Einbruchmeldetechnik fest verankert und definiert.

Was ist unter Zwangsläufigkeit zu verstehen?

Im Allgemeinen werden mit dem Ausdruck der Zwangsläufigkeit alle Maßnahmen adressiert, die verhindern sollen, dass eine nicht in allen Teilen funktionsfähige Einbruchmeldeanlage scharfgeschaltet werden kann oder dass bei einer scharfgeschalteten EMA versehentlich Fern-/Externalarm durch den Betreiber ausgelöst wird (etwa durch eine Begehung der Räume ohne vorherige Unscharfschaltung).

So müssen nachfolgende Dinge für die Scharfschaltung vorhanden sein:

  • Es dürfen keine Einbruch- oder Sabotagesignale/-meldungen vorliegen.
  • Alle Fenster und Türen müssen geschlossen und verriegelt sein. Letzteres wird auch als Verschlussüberwachung bezeichnet.
  • Es dürfen keine Störungsmeldungen vorliegen (z. B. Netzstörung).
  • Nichtexklusive/nichtdedizierte Verbindungen (z. B. Funk) müssen vor der Scharfschaltung funktionsfähig sein.
  • Eine Scharfschaltung darf nur von außerhalb des Sicherungsbereichs möglich sein.
  • Im Falle der Tür, aus der die letzte Person den überwachten Bereich verlässt, muss vor der Scharfschaltung durch eine mechanische Blockierung der Eintrittstür oder des entsprechenden Schlosses verhindert werden, dass über diese Tür Personen den überwachten Bereich betreten können.
  • Es müssen alle Konfigurationen abgeschlossen sein.

Während der Dauerb Scharfschaltung muss außerdem Folgendes sicher gestellt sein:

  • Alle Türen zum überwachten Bereich dürfen nicht mehr von außen zu öffnen sein (dies kann beispielsweise durch Halbzylinder gewährleistet werden).
  • Durch eine mechanische Blockierung oder ein entsprechendes Schloss muss zuverlässig verhindert werden, dass durch die Tür, aus der die letzte Person den überwachten Bereich verlassen hat, Personen in den überwachten Bereich gelangen können, bevor nicht unscharfgeschaltet wurde.
  • Es sind keine Fernzugriffe gestattet